„24 Stunden Nordschleife – das ist der Wahnsinn“

Über 210.000 Zuschauer vermeldete der Veranstalter des 46. ADAC Zurich 24-Stunden-Rennens am Nürburgring am vergangenen Wochenende. Ein Motorsport-Spektakel, das seinesgleichen sucht. „Es war unfassbar. Diese ganzen Eindrücke werden mich noch sehr lange begleiten“, berichtet der 18-Jährige Blumberger und schwärmt weiter: „Schon als Kind – vor dem Fernseher – habe ich davon geträumt. Mir die Frage gestellt: Wie cool muss das sein, da einmal mitfahren zu können. Und als ich dann im letzten Jahr in den GT-3 Audi bei den ADAC GT Masters das erste Mal einstieg, war mir klar:So weit weg von meinem Traum kann ich jetzt nicht mehr sein.“

Die Vorbereitungen zu diesem Langstreckenrennen sind eigentlich nicht viel anders als bei einem Sprintrennen. „Du musst körperlich absolut topfit sein. Bei mir stand daher neben dem üblichen Krafttraining in den letzten Monaten das Konditionstraining etwas stärker im Fokus. Viel Ausdauer durch Fahrradfahren“, erklärt Mike David Ortmann. Die große Herausforderung für die Fahrer liegt darin, dass ein Rennen 24 Stunden lang ist. Im Normalfall teilen sich vier Piloten ein Auto, für alle sind das enorme physische und mentale Belastungen von bis zu sechs Stunden, die jedoch in Abschnitte von ein- bis zweieinhalb Stunden Fahrdauer eingeteilt werden. 

Den Unterscheid erklärt der Förderkandidat der ADAC Stiftung Sport und Deutschen Post Speed Academy so: „In 24 Stunden kann alles passieren. Die Zeit ist für ein Rennen unglaublich lang. Da musst du dir deine Kräfte gut einteilen. Du darfst kein unnötiges Risiko eingehen. Das schnelle Durchkommen ohne Beschädigungen am Fahrzeug hat absolute Priorität. In 24 Stunden kann einfach so viel passieren. Alleine das Wetter ist schon ein großer Faktor. Die Nordschleife mit ihren 25.358 Metern liegt halt in der Eifel. Und die ist für ihre Wetterkapriolen bekannt. Und dann ist da noch der Faktor Nacht, die Dunkelheit auf der Nordschleife. Obwohl wir sehr gute LED-Scheinwerfer haben, sind diese bei diesem Tempo natürlich kein Ersatz für die Sonne. Hinzu kommt gerade in den Nachtstunden die ganz normale Müdigkeit, doch die wird sobald du ins Auto einsteigst von einem Adrenalin-Kick verdrängt.“

Mike David Ortmann ging mit seinen drei Fahrerkollegen Jörg Viebahn, Thomas Koll und Alexander Mies für das Prosport Performance Team um Teamchef Chris Esser auf einem Porsche Cayman GT-4 an den Start. „Der Porsche fährt sich fast ein bisschen wie ein Go-Kart. Doch auch mit knapp 400 PS waren wir gegenüber unseren Mitbewerbern durchaus konkurrenzfähig. Wenn du in den freien Trainings und dem Nacht-Zeittraining immer zu den besten drei Fahrzeugen zählst, dann schielst du schon nach einem Sieg in deiner Klasse“, berichtet der Youngster und erzählt weiter: „Ein Platz unter den Top drei in deiner Klasse ist schon etwas ganz Besonderes. Dennoch hatten für mich als Rookie das Ankommen und das Sammeln von Erfahrungen oberste Priorität . Alleine das erste Mal in der Nacht auf der Nordschleife mit bis zu 280 Stundenkilometer unterwegs zu sein, ist schon eines meiner ganz persönlichen Highlights vom Wochenende. Die ganze Woche hat einfach nur wahnsinnigen Spaß gemacht. Die Atmosphäre vor Ort, die Tausenden Fans entlang der Strecke, das kann man nicht wirklich  beschreiben. Das muss man selber vor Ort erlebt haben.

Nach dem Zeittraining am Freitagnachmittag stand der Porsche Cayman mit der Startnummer 62 auf Platz zwei seiner Klasse, der SP 10 für Fahrzeuge der GT-4 Kategorie. Bereits beim Start am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr setzte sich Ortmanns Teamkollege Jörg Viebahn auf den ersten Platz. „Das war ein klasse Gefühl“, lächelte Ortmann. Nachdem als nächster Ortmann den Porsche übernahm, schlug in seiner dritten Runde die Defekthexe zu. Ein Gelenk seiner Antriebswellen quittierte seinen Dienst. „Doch was unsere Mechaniker dann leisteten, war absolut klasse. Insgesamt hatten wir Glück, dass ich das Auto am„Breitscheid“ , einem Streckenabschnitt auf der Nordschleife, abstellen konnte, so dass die Mechaniker mit einem Werkstattauto herankamen und den Schaden in kürzester Zeit reparieren konnten“. Die nächsten Stunden verliefen dann nach Plan. 

Auch nachdem Mike David Ortmann von Mitternacht an den Porsche für zweieinhalb Stunden über die Nordschleife im Höchsttempo prügelte. „Das war ein klasse Ritt. Superschnell und absolut fehlerfrei. Das war absolut genial. So wie es bei einem 24-Stunden-Rennen sein sollte“, sagte der sympathische Blumberger sichtlich glücklich. Und so freute sich der Pilot vom ADAC Berlin-Brandenburg auf seinen nächsten Einsatz. Der sollte morgens kurz vor acht sein. „Es regnete wie aus Eimern. Genau darauf hatte ich mich gefreut. Denn ich denke, dass die Nordschleife im Regen eine weitere Herausforderung gewesen wäre“. 

Und da sind wir bereits im Konjunktiv. Denn aus einem weiteren Einsatz wurde für das Fahrerquartett nichts mehr. Kurz nach sieben Uhr morgens verlor Jörg Viebahn bei schwierigsten Wetterbedingten den Porsche und kollidierte mit einer Leitplanke. Das ist das Brutale an der Nordschleife, jeder Fehler, jedes Abkommen von der Ideallinie und gerade bei Starkregen, kann das Aus bedeuten. Der Cayman GT4 war so stark beschädigt, dass das Prosport Performance Team den Porsche aus dem Rennen nehmen musste. Im Laufe der verbliebenen Stunden musste der Veranstalter das Rennen am Sonntagvormittag wegen starkem Nebel unterbrechen. Insgesamt wird die 46. Auflage des weltweit beliebten Klassikers wohl in die Geschichte der Wetterkapriolen eingehen.

Abschließend sagte der 18-Jährige: „Das Wetter war unglaublich launisch. Der Unfall hätte jedem von uns vier Fahrern passieren können, du gewinnst zusammen und du verlierst zusammen. Die Bedingungen waren einfach extrem schwierig. Auch wenn man als Rennfahrer ein Wochenende so nicht abschließen möchte, kann ich nur sagen, dass ich extrem viel gelernt habe. Wir haben für diese Saison die diesjährigen Rennen auf der Nordschleife mit einer großen Priorität angesetzt. Für meine weitere Motorsportlaufbahn gehören diese Rennen unbedingt dazu. Ich kann mich bei allen, die mir den Start beim größten Langstreckenrennen der Welt ermöglicht haben , einfach nur tausendmal bedanken. Das Vertrauen, das sie in mich und meine Motorsport-Karriere setzen, ist für mich nicht selbstverständlich. Ein ganz großes Dankeschön gilt auch meinem Teamchef Chris Esser, der mir trotz meiner wenigen Nordschleifenerfahrung sein Vertrauen geschenkt hat. Auch das ist für mich nicht selbstverständlich“. 

Dazu sagte der Porsport Performance Teamchef Chris Esser: „Mike hat über das gesamte Rennen einen perfekten Job gemacht. Die Zusammenarbeit mit ihm in unserem Team war absolut professionell. Er hat uns gezeigt, dass er sich auf der Nordschleife bei solch einem Rennen behauptet hat. Meine anfänglichen Zweifel waren am Sonntag restlos ausgeräumt“.

Für Mike David Ortmann geht es dann vom 8. bis 10. Juni in der ADAC GT Masters weiter. Mit seinem Team BWT Mücke Motorsport steht dann in der „Liga der Supersportwagen“ der Red Bull Ring auf dem Programm. Doch zuvor  steht für den Auszubildenden zum KFZ-Mechatroniker eine weitere große Aufgabe auf seiner Agenda :der erste Teil seiner Gesellenprüfung.

 

 

Fotocredit: Marco Meumann